Kolumne KR wie Krefeld – Begegnung mit einem Wutbürger


geschrieben am: 17.10.2015 in Kategorie(n): Presse

Krefeld. Es gibt Begegnungen, die einem nachgehen. Dies war so beim Redaktionsbesuch eines Mannes, den das Thema Flüchtlinge umtrieb. Anschließend formulierte er seine Gedanken noch in einem Brief. Das Thema hat ihn gepackt, manches, was er sagt, ist berechtigt. Am Ende bleiben dennoch Beklemmung und die Frage: Warum diese Wut?

Erst ein Telefonat, dann ein Gespräch in der Redaktion: Beides ging einem nach. Der Mann, der sich da zum Thema Flüchtlinge in Rage redete, war das, was man wohl Wutbürger nennt. Er hat seine Gedanken auch auf unsere Bitte hin zu Papier gebracht – ein sechsseitiger Leserbrief, ein Manifest des Unmuts. Sein Name sei hier nicht genannt, weil dieser Text hier so nicht abgemacht war. Dennoch darf man davon erzählen.

Dem Äußeren nach würde man ihn in der linksliberalen Ecke vermuten: Gepflegte Erscheinung, geschmackvoll in Herbsttönen gekleidet; schwarze Hornnickelbrille, eine wiederum geschmackvoll zum Ganzen passende Schirmmütze, ungewöhnlicher Ring am Finger. Kein Dummkopf, keine Dumpfbacke, kein Proll – dem Äußeren nach der Typ Intellektueller, der die „Zeit“ liest.

In ihm hat sich Wut aufgestaut – Wut über „Mainstream“-Medien, die angeblich „wie bei Hitler das deutsche Volk bewusst“ mit einseitigen Meldungen und Durchhalteparolen überschütten; über angebliche Angriffe auf die Meinungsfreiheit, die in der Flüchtlingsdebatte angeblich „mit Füßen getreten“ werde. Er schaue keine TV-Nachrichten mehr, schreibt er: „Ich kann das nicht mehr aushalten und will das nicht mehr hören“; er wolle sich der „permanenten, einseitigen Beeinflussung entziehen“.

In seinem Brief geht es gegen „Gutmenschen“ und gegen die „Bildungslüge“ (gemeint ist die These, dass die Flüchtlinge überwiegend gebildet seien). Er warnt vor „Chaos“; davor, dass andere „Mentalitäten und Moralvorstellungen Deutschland für immer und ewig verändern werden“, er warnt vor den Kosten für Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen, er regt sich über vermeintliche Ungleichbehandlung auf: Jede Oma, die beim Schwarzfahren erwischt werde, werde „inhaftiert“; Flüchtlinge aber müssten sich an viele Regeln nicht halten. Zum Schluss behauptet er, die meisten Menschen würden denken wie er, „es traut sich nur niemand, das öffentlich zu sagen“.

Als Journalist hört man schon deshalb genau zu, weil dieser Mann wie ja auch Pegida der Presse ein großes Komplott unterstellt: Alle Redaktionsstuben Deutschlands basteln demnach an Beeinflussungsmeldungen. Das ist so ein Unfug, so weit weg von allem, was in Redaktionen passiert, dass man nicht dagegen anargumentieren will.

Am seltsamsten am Wutbürgertum ist die ewig wiederholte Behauptung, man dürfe seine Meinung nicht sagen. Nicht? Man trifft doch überall auf diese Meinung: Bei Facebook, in anderen sozialen Netzwerken, auf Pegida-Demonstrationen, in Parteien wie der NPD oder der AfD – die Meinung, die niemand äußern darf, wird über alle Kanäle in allen Tonlagen bis zum offenen Fremdenhass hinausgebrüllt.

Es ist in einem sehr schlichten und nachprüfbaren Sinne falsch zu behaupten, man dürfe seine Meinung nicht sagen. Man darf. Und es geschieht. Ohne Hemmung. Schamlos bis zur Verrohung.

Falsch ist auch die Behauptung, dass Probleme im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom verschwiegen würden. Kosten, Sicherheitsfragen, Bildungs- und Ausbildungsprobleme, die Durchsetzung unsere Rechts- und Werteordnung – all das wird bereits debattiert, auch im Bundestag, der gerade das Asylrecht verschärft hat. Dennoch ewig die Behauptung: Probleme würden verschwiegen. Nein, werden sie nicht, sie stehen in der Zeitung, alles ist öffentlich; vom Kleinen bis ins Große: vom Unmut in der Krefelder Verwaltung darüber, dass die sich gern als Landesmutter inszenierende Hannelore Kraft Kosten und Lasten chaotisch auf Kommunen wie Krefeld abwälzt, bis zum wachsenden Unmut in der CDU über Merkels Kurs. Der bekannte Ökonom Bernd Raffelhüschen prophezeit in der „Welt“ gegen Merkel´s Beteuerung Steuererhöhungen, weil viele Flüchtlinge seiner Überzeugung nach arbeitslos sein und die Sozialkosten steigen werden; der „Spiegel“-Journalist Jan Fleischhauer prangert sarkastisch an, dass das, was früher als Versagen galt (nämlich: Leute ungesteuert ins Land zu lassen), heute als „Zustand, den wir begrüßen sollten“, gefeiert werde. Kurz und gut: Die ewige Behauptung von Wutbürgern, nur sie würden Probleme benennen, ist wiederum schlicht und nachprüfbar falsch. Probleme werden sehr wohl benannt, nur eben ohne Wut, piano im Ton, sachlich-kühl, vor allem: ohne aggressive Wendung nach außen, nämlich gegen die Flüchtlinge. Mitgefühl und Problembewusstsein schließen sich gerade nicht aus.

Am Ende des Besuchs dieses Mannes bleibt Rätselraten über die Aggressivität. Woher diese Komplottangst, dieses Gefühl, verfolgt und unterdrückt zu werden, diese Opfermentalität – woher diese Wut, die am Ende doch immer Menschen als Ziel findet?

Das ist der Punkt, an dem man widersprechen, einschreiten, schützen muss. Pegida hat nicht Recht, Pegida spricht keine unterdrückte Wahrheit aus, Pegida wird nicht verfolgt, Pegida ist nicht mutig, und Pegida steht nicht für die Mehrheit.

Pegida öffnet ein Wut-Ventil. Das ist das Unheimliche.

(Quelle: RP/Jens Voss)

 

Meinung des Lesers „Stroevel zum Kommentar des Chefredakteurs Krefeld der Rheinischen Post, Dr. Jens Voss

18.10.2015, 20:56 Uhr

Herr Voss kennt nur GG Artikel 16a Abs. 1, weiter hat der noch nicht gelesen, denn da gibt es noch Abs. 2 bis 5. Aber dies sei einem Dr. Voss nachgesehen, da eine Frau Dr. Merkel ja auch noch nie weitergelesen hat!
Ob er wohl den Artikel 16 komplett kennt, insbesondere Abs. 2, denn auf diesen vertraue ich……   auch der Abs. 3 ist wichtig, und der gilt für ALLE, die diesen Staat betreten, ob sie schon eingebürgert sind oder GAST!!!!
Bürger dieses Staates, die gegen die Artikel des GG handeln oder gegen weitere Gesetze dieses Staates verstoßen, werden sanktioniert! Von wem? ….von der völlig überlasteten Staatsmacht>>>>Polizei …..und die armen Polizisten müssen unsere Gäste genau so behandeln, wie die Bürger dieses Staates.
WO IST DIE GESETZESÄNDERUNG, DIE DER STAATSMACHT ERLAUBT, DIE (Gäste)DIE GEGEN UNSERE GESETZE VERSTOSSEN, AUSZUWEISEN??????
Soll ich Frau Merkel anzeigen und wegen des Verstoßes gegen Artikel 16a Abs. 2 verklagen???
Mitglieder des „Deutschen Bundestages“ genießen Immunität! ….. und diese müsste von unseren Volksverträtern aufgehoben werden.
Da soll der Bürger nicht wütend werden…..bitte…..wohin mit meiner Ohnmacht???
Einigkeit und Recht und Freiheit …..hab ich mal gern gesungen und war stolz drauf……..
Alles futsch

(Identität des Lesers „Stroevel“ ist bekannt)

 

Grundgesetz Artikel 16a

(1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

(2) Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften (Italien, Griechenland, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Österreich) oder aus einem anderen Drittstaat (Türkei, Serbien) einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist. Die Staaten außerhalb der Europäischen Gemeinschaften, auf die die Voraussetzungen des Satzes 1 zutreffen, werden durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, bestimmt. In den Fällen des Satzes 1 können aufenthaltsbeendende Maßnahmen unabhängig von einem hiergegen eingelegten Rechtsbehelf vollzogen werden.

(3) Durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, können Staaten bestimmt werden, bei denen auf Grund der Rechtslage, der Rechtsanwendung und der allgemeinen politischen Verhältnisse gewährleistet erscheint, dass dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet. Es wird vermutet, dass ein Ausländer aus einem solchen Staat nicht verfolgt wird, solange er nicht Tatsachen vorträgt, die die Annahme begründen, dass er entgegen dieser Vermutung politisch verfolgt wird.