Ökologie des BP-550 ‚Fette Henn‘


geschrieben am: 28.04.2017 in Kategorie(n): BZV

Ökologie des BP-550 ‚Fette Henn‘

Die Bodenkarte 1:50.000, 2. Auflage, Blatt Krefeld, dient als Grundlage für schutzwürdige Böden in Nordrhein-Westfalen. Danach handelt es sich bei dem geplanten Baugebiet BP-550 um eine der letzten noch nicht überbauten Freiflächen mit Niedermoortorfen am westlichen Rand des Hülser Bruchs und besitzt für die Region Seltenheitswert. Gemäß dem Auskunftssystem der BK 50 von NRW sind die betroffenen Böden als sehr schützenswürdige Niedermoortorfböden (HN031GA2) eingestuft, welche Biotopsentwicklungspotential für Extremstandorte besitzen.
Sie sind geringmächtig (0,2 -0,6 m) überdeckt mit losem und humosem Mineralboden. Unter der Deckfläche folgt eine Schicht von 0,5 – 1,0 m Niedermoortorf. Das Grundwasser ist abgesenkt auf die Stufe 0,8 – 1,3 m im Sommer, d.h. im Winter steigt es bis auf einen halben Meter unter Flur an. Damit ist der Boden schutzwürdig, es müssen Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden.

In der 3. Auflage der Bodenkarte 1:50.000, die sich in Arbeit befindet, sind die Flächen um das geplante Baugebiet herum Auffüllungsböden, aber das Areal selbst gilt weiterhin als Moorfläche mit Deckkulturschicht. Auch diese ist schutzwürdig als Insel zwischen nicht schutzwürdigen Auffüllungsböden. Also wird sich In Zukunft dadurch die amtlich festgelegte Schutzwürdigkeitsstufe nicht ändern.
Die Ergebnisse zu den Freiflächen der Stadtbodenkartierung Krefeld wurden in die amtlichen Bodenkarten 1:5.000 zur landwirtschaftlichen Standortkartierung übernommen (Verfahren Krefeld-Traar) und sind damit amtlich und für jedermann einsehbar. Dabei wurde festgestellt, dass es eine Mineralbodendeckung über Torf gibt. Die Überdeckung ist durch die langzeitliche Gartennutzung zu Gartenböden (Hortisol) umgewandelt worden. Die Torfschicht ist nach dieser Karte genauso mächtig (0,5 – 1 m). Das Grundwasser steht höher als bei der Übersichtskarte 1:50.000 ausgewiesen. Es steht bei 0,6 -1,0 m im Sommer und kann im Winter bis an die Oberfläche reichen. Damit ist die Fläche weiterhin schutzwürdiger Boden. Als Nutzungseignung wurde Ackerbau ausgeschlossen, weil der Boden dafür nicht tragfähig ist.

! Es bestehen somit erhebliche fachliche und rechtliche Bedenken hinsichtlich der Geeignetheit !

Es sei denn, das Grundwasser wird durch pumpen tiefabgesenkt und die Bausohle wird unter die Moorschicht gelegt. Dabei wird der Moorkörper zerstört, mineralisiert und es kommt zu Sackungen, was zu Beschädigungen der vorhandenen und zukünftigen Bausubstanz führen dürfte. Eine Ausweichlösung wäre bauen ohne Keller, wobei aber auch hier statische Probleme nicht ausgeschlossen werden können.
Weiterhin gibt es eine Schadstofffahne im Grundwasser in Höhe Boomdyk (vermutlich resultierend von der ehemaligen Müllkippe in der Nähe – bis in die sechziger Jahre in Betrieb). Durch Eingriffe in das Grundwasser bei Bauerstellung könnte sich die Fließrichtung der Schadstofffahne ändern. Aufgrund der vorgenannten Umstände würde ein ökologisches Gutachten für dieses Gebiet die Nutzung als Bauland sehr wahrscheinlich ausschließen.
Das dauerhafte Absenken von Grundwasser zum Zwecke des Erhalts von Bausubstanz ist wasserrechtlich als problematisch anzusehen. Von der Erlaubnisfähigkeit solcher Sümpfungsmaßnahmen kann nicht ausgegangen werden.
Somit wäre es unverantwortlich und rechtlich fragwürdig, die Bauleitplanung für die Nutzung als Bauland zu betreiben, ohne die ökologischen Aspekte für dieses Gebiet näher zu betrachten. Der GD sprach bereits am 15.11.2016 die Empfehlung aus, im Rahmen eines standortkundlichen, bodenkundlichen Gutachtens den Zustand der Planfläche zu erfassen. Nur ein Gutachten kann diese vom Geologischen Dienst NRW ermittelten Sachstände entweder eindeutig widerlegen oder aber detailliert, sachverständlich und unwiderlegbar bestätigen.