Wolfgang Bosbach zum neuen Jahr


geschrieben am: 06.01.2018 in Kategorie(n): Presse


Wolfgang Bosbach zum neuen Jahr –

Wie der Terror unser Leben doch verändert hat

Immer, wenn ein terroristischer Anschlag mit verheerenden Folgen geschehen ist und nach vereitelten
oder verhinderten Anschlagsversuchen, gibt es so routinemäßige Standardformulierungen, die von
den für die Sicherheit Verantwortlichen benutzt werden. Und zu diesen routinemäßigen Sätzen gehört
auch, es ist wichtig, dass wir unser Leben, so wie wir es lieben und wie wir es immer gelebt haben,
nicht ändern.

Wenn wir unser Leben ändern würden, wäre das ein Sieg der Terroristen, denn genau das wollen sie.
Frage: haben wir unser Leben, so wie wir es immer gelebt und geliebt haben, nicht schon längst
geändert? Wenn Weihnachtsmärkte zu Hochsicherheitstrakten werden, wenn aus Gründen
der Gefahrenabwehr, sozusagen Notwehr, im wahrsten Sinne des Wortes, schwer bewaffnete Polizei
patrouillieren muss, wenn wie jetzt in Köln eintausendvierhundert (1.400) Sicherheitskräfte im Einsatz
sein müssen, damit die Silvesternacht nicht außer Kontrolle gerät, wenn arabische Großfamilien
ganze Stadtviertel in Atem halten, wenn ein Spaziergang durch den ‚Görlitzer Park‘ in Berlin zu einem
riskanten Manöver wird, haben wir dann unser Leben nicht schon längst geändert?

Und was müssten wir tun, um wieder zu unserem früheren Leben zurück finden zu können, darüber
müsste bei den Berliner Verhandlungen, bei den Sondierungs- oder bei den Koalitionsgesprächen
auch einmal geredet werden. Ich bin gespannt, ob das tatsächlich passiert.

Früher haben wir gesagt: „Prosit Neujahr“! Heute müssen wir leider sagen: „Vorsicht Neujahr“!
Dennoch:
Ihnen und Ihren Lieben ein fröhliches, ein glückliches, vor allen Dingen ein friedliches Jahr 2018!

(Quelle: BILD)